Dezember 3, 2020

Das italienische Lifestyle Magazine

Der letzte Kaiser der Modebranche im Interview mit ILI-Magazine.

Der Designer Valentino Garavani wurde 1932 in der Nähe von Mailand geboren und zog schon mit 17 Jahren nach Paris, da er ein Stipendium der Pariser Haute Couture-Gewerkschaft gewonnen hatte.

Er ließ sich zum Modedesigner ausbilden und arbeitete für verschiedene Designer, wie zum Beispiel Guy Laroche.

Danach kehrte er in seine italienische Heimat zurück und gründete dort 1959 gemeinsam mit Giancarlo Giammetti sein eigenes Label. Schnell wurde er für seine schlichten aber doch sehr eleganten Abendkleider in Unifarben bekannt.

Das Valentino-Rot ist bis heute weltbekannt und einzigartig. Stars wie Audrey Hepburn oder Lady Diana trugen die Kreationen des Designers und verhalfen ihm so zu Bekanntheit.

In den 1970ern ging es für Valentino weiter bergauf: Die Kollektionen wurden auf internationalen Modeschauen gezeigt, eine Damen Prêt-à-porter-Linie und eine Männerlinie kamen dazu, es wurde das erste Parfum von Valentino auf den Markt gebracht. Die Marke wuchs und erlangte Weltruhm.

2007 kündigte dann Valentino Garavani seinen Rückzug aus dem Unternehmen an – anstatt auf den, wie es ihm schien, unausweichlichen Abstieg zu warten, verließ er das Label am Höhepunkt seiner Karriere.

Zeitgleich zu Valentino Garavanis Rücktritt kaufte der Konzern Permira die Valentino Fashion Group und setzte Alessandra Facchinetti als Chefdesignerin ein. Doch sie blieb nur ein Jahr im Unternehmen, nachdem ihre Kollektionen nicht dem entsprachen, was sich die Geschäftsleiter vorstellten. 2008 wurden die langjährigen Mitarbeiter Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli zu neuen Chefdesignern ernannt, seit 2016 übernimmt Piccioli den Posten alleine.

12 Jahren nach seinem Rücktritt haben wir Valentino getroffen und Ihn interviewt:

ILI:Man hat Sie den letzten Kaiser genannt, den neuen Julius Cäsar, der König von Rom, Wie würden Sie sich definieren?

Valentino: Ich hasse Definitionen, ich möchte lieber als Valentino in Erinnerung bleiben.

ILI: Ein Erfolg, an den Sie sich, mit besonderen Emotionen, erinnern?

Valentino: Alles was mit meinen Modenschauen zu tun gehabt hat. Sie waren für mich die glücklichsten Momente. Ich mag es am liebsten ein Kleid zu kreieren und es dann getragen zu sehen. Großes Highlight für mich war die große Show im Jahre 1984 im Metropolitan Museum in New York mit einem unglaublichen Publikum. Das war schon eine besondere Emotion.

ILI: Welche Kreation hat Sie am meisten befriedigt?

Valentino: Das Kleid mit dem Friedenssymbol welches ich im Jahre 1991 entworfen habe. Ein weißes Kleid mit 16 „Frieden“ Schriften in verschiedenen Sprachen. Heute noch ein Symbol finde ich.

ILI: Sie sind für die Farbe Rot berühmt. Steht es wirklich jeden?

Valentino: Ja, weil es eine Mischung aus speziellen Farben ist. Dahinter verbirgt sich eine sehr genaue und sorgfältige Arbeit.

ILI: Was ist ihre erste modebezogene Erinnerung?

Valentino: Die Kleider von meinen Cousinen aus Voghera wenn die auf diverse Partys unterwegs waren.

ILI: Wie schafft es ein 17-Jähriger Junge aus Voghera, die Welt zu erobern?

Valentino: Er nimmt den Zug mit dem Geld seines Vaters, kommt in Paris an, studiert seine Vorliebe und schafft es somit in die Welt der Haute Couture einzudringen.

ILI: Wann haben Sie es gemerkt, dass Sie es geschafft haben?

Valentino: Sehr früh. Zwei Jahre nachdem wir angefangen hatten, trafen auf einmal alle berühmten Frauen in der Via Gregoriana ein.

ILI: Haben Sie einen Lieblingsort?

Valentino: Ich liebe Capri, hier habe ich über 25 Jahren gewohnt. Gehe auch gerne wieder dort hin und erinnere mich an die außergewöhnlichen Momente, in denen ich in diesem Paradies gelebt habe. Dort habe ich auch mein Geburtstag mit über 60 Freunden gefeiert.

ILI: Apropos Freunde, man sagt in der Regel, wenn man die Bühne verlässt, verliert man auch einige Freunde. Ist es Ihnen auch passiert?

Valentino: (lacht) Ich glaube nicht dass ich die Bühne, das Rampenlicht, verlassen habe. Ich bin immer noch Valentino auf der ganzen Welt. Ich kann mich nicht an falschen Freunden erinnern. Ich hatte um mich herum viel Zuneigung und habe somit eine große Familie geschaffen mit Menschen die ich Liebe.

ILI: Wie stehen Sie zu Rom?

Valentino: Ich bin 1959 aus Paris nach Rom gekommen. Nach 60 Jahren kann ich sagen dass Rom die Stadt ist die ich Liebe, hier habe ich die meiste Zeit verbracht. Ich erinnere mich gerne zurück an die Zeiten im Palazzo Valentino, auf der Piazza Mignanelli. Unvergesslich.

ILI: Aber vor einigen Jahren haben Sie sich für Paris entschieden.

Valentino: Wir bekamen zusammen mit Giancarlo Giammetti eine Einladung die wir nicht widerstehen könnten. Paris war damals die unbestrittene Modehauptstadt. Aber unser Ursprung, unsere Entwicklungsbüros sind in Rom, mit Menschen die seit Jahrzehnten für uns arbeiten. Diese arbeiten nach wie vor sehr gerne mit uns und mit jungen Newcomern/Entwicklern zusammen.

ILI: Welcher Designer begeistert Sie am meisten?

Valentino: Mir gefällt sehr, was Pierpaolo Piccioli heute mit uns macht. Seine Suche nach Schönheit ist ein Beispiel für Kontinuität unserer Arbeit.

ILI: Wie sehen Sie die Verbindung zwischen Mode und Streetwear?

Valentino: Schönheit ist überall. Der eigene Stil muss die Vulgarität überwinden. Dieser unglaubliche Markt, meiner Meinung nach einem schlechten Geschmack, erobert zunehmend die Welt der jungen Menschen, dank der Influencer, die leider nicht immer die richtigen Entscheidungen treffen.

ILI: Aber mit 1,5 Mio. Followern auf Instagram sind Sie praktisch auch ein Influencer. Gibt es wirklich niemanden, den Sie mögen?

Valentino: Nein, ich möchte nicht so genannt werden und es gibt Influencer und Influencer. Zum Beispiel bin ich mit einer unglaublichen Stylistni befreundet Olivia Palermo. Ihre Fähigkeit, verschiedene Stücke zu mischen, ist außergewöhnlich und verdient den Erfolg den Sie hat.

ILI: Sie haben sich nie als Technologie Guru bezeichnet. Gibt es jemanden, der sich um Ihre Social Profile kümmert?

Valentino: Das bin ich nicht hinter den Profilen, mein Büro kümmert sich darum. Aber ich möchte schon gern etwas über die Kommentare zu den Fotos wissen, die wir veröffentlichen. Ich fühle mich den Menschen somit sehr nah.

ILI: Werden Sie mehr nach Autogrammen oder nach Selfies auf der Straße gefragt?

Valentino: Autogramme sind heutzutage veraltet. Nur Selfies.

ILI: wie starten Sie Ihren Tag?

Valentino: Indem ich meine Hunde, die mit mir zusammen schlafen, raus lasse.

ILI: Und wie beenden Sie diesen?

Valentino: Mit einem Gebet.

ILI: Entwerfen Sie immer noch?

Valentino: Ja aber andere Dinge. Ich mag Ballettkostüme besonders, weil ich die Herausforderung der Praktikabilität bei den Bewegungen genau studieren will.

ILI: Gibt es jemanden, bei dem Sie danke sagen können?

Valentino: Giancarlo Giammetti war von Anfang an an meiner Seite. Ohne ihn hätte ich nicht mit der nötigen Gelassenheit arbeiten können.

ILI: Was müsste man in der Garderobe unbedingt haben?

Valentino: Etwas persönliches, auch altes, aber etwas was an einem besonderen Moment erinnert.

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