Mi. Aug 5th, 2020

Das italienische Lifestyle Magazine

La Vespa – Il mito Italiano

Eine zeitlose Ikone, die durch die Geschichte unseres Landes gegangen ist – ein Mythos aus einem halben Jahrhundert, der bis heute Made in Italy in der Welt repräsentiert. Es ist die Vespa, das berühmteste Zweirad der Welt.

Italien der 50er-Jahre: Manche denken an Caprifischer, andere an Sophia Loren und nicht wenige an die Vespa. Der Kultroller hat es trotz schneller Autos immerhin bis in die heutige Zeit geschafft.

Am Anfang stand das Ende eines Krieges. 1946 begann die Serienproduktion der Vespa, in Auftrag gegeben von Enrico Piaggio. Der Italiener hatte bis dahin Kriegsflugzeuge konstruiert, mit dem Bau eines Motorrollers setzte er auf eine neue Geldeinnahmequelle. Zuvor hatte er mit dem Vorgänger der Vespa, der MP5 Paperino, experimentiert. Doch Piaggio war nicht zufrieden mit dem Modell Paperino, dessen Name die italienische Bezeichnung für Donald Duck ist, und ließ nur etwa 100 Fahrzeuge dieses Typs bauen.

Ein enormer Vorteil der ursprünglichen Vespa war, dass viele Einzelteile bereits aus dem Flugzeugbau vorhanden waren. Und so bestanden die ersten Modelle aus Materialien, die in den ehemaligen Piaggio-Flugzeugwerkshallen zu finden waren: Reifen, Motorenteile und Metalle wurden wiederverwendet. Und da Ingenieur Corradino D’Ascanio kein großer Fan von Motorrädern war, entwarf er ein Zweirad, das keine der von ihm gehassten Eigenschaften wie ölige Ketten und offenliegende Motoren aufwies.

Nicht nur der Motorroller selbst schaffte es regelmäßig, Aufsehen zu erregen, auch begleitende Werbung und Merchandising-Produkte brachten den Scooter immer wieder in aller Munde. Vespas Werbung war schon von Anbeginn an mutig. Zunächst strich man hauptsächlich die Vorteile des Motorscooters gegenüber dem Automobil heraus, doch schon bald bediente man sich attraktiver junger Damen als „Werbemittel“.
Werbung von mutig bis abstrus

Mal ging es um fesche Anhalterinnen, die sich nicht von schicken Autos beeindrucken ließen, sondern nur auf dem Soziussitz einer Vespa mitreisen wollten. Ein anderes Mal wurde der „Double Fun“ zwischen Arbeit und Freizeit mithilfe reizender Zwillinge verbildlicht. Für den spanischen Markt gab es einen skurrilen Clip, in dem eine leicht bekleidete Tanztruppe singend für die Vespa warb.
Während Frauen auf Vespa-Werbeplakaten und Kalenderblättern zunächst ausschließlich als hübsches Beiwerk gedient hatten, sah man sie später auch als Käuferinnen und Fahrerinnen dargestellt.

Auch hierzulande wurde die Vespa schnell zum Verkaufsschlager. Wie sich die Geschichte des Kultrollers aus deutscher Sicht darstellt, kann man in diversen Artikel bereits lesen. Unter anderem auch bei einem Artikel wo es darum geht wie viele D-Mark (damals) der willige Käufer ursprünglich zu berappen hatte, um in den Besitz einer Vespa zu kommen, und mit welchen Tipps und Tricks die Zubehörhersteller Rollerfahrer davon überzeugten, ihr Gefährt aufzupeppen.

Auch heute noch gilt die Vespa als Kultobjekt. Diverse Vespa Clubs in Deutschland sorgen für Nostalgische Momente und desöfteren diskutiert man gerne darüber ob ein echter Rollerfahrer sich mit der Vespa auf den Weg nach Italien macht oder doch das Auto als Fortbewegungsmittel bevorzugt.

Wer eine Übersicht über alle Vespa-Modelle sieht, wundert sich sicherlich, warum die Auflistungen oft Mitte der 1980er- oder Anfang der 90er-Jahre enden. Die Antwort darauf lautet, dass für viele Fans die heutzutage produzierten Fahrzeuge nicht mehr viel mit der ursprünglichen Vespa gemein haben. Die Herstellung erfolgt schon lang nicht mehr in Europa, viele Einzelteile bestehen nun aus Plastik statt aus Metall, und der Kultstatus rankt sich eher um die älteren Gefährte, deren Besitzer sie mit Liebe hegen und restaurieren.

Bei vielen Modellen handelt es sich sogar nicht einmal mehr um echte Piaggios, denn der Erfolg der Marke Vespa hat eine Vielzahl mehr oder weniger ähnlicher Nachbauten oder sogenannter Vespa-Clones auf den Plan gerufen. Der international bekannteste Anbieter moderner Vespa-Nachbauten ist die indische Firma LML. Sie gehört zum Piaggio-Konzern und stellt Roller in klassischen Vespa-Designs her, die in Deutschland über verschiedene spezialisierte Rollerläden erhältlich sind. Mit der Belladonna RV 150 vertreibt LML ein Modell mehr oder weniger exklusiv für den neuseeländischen Markt. Das Modell ist ein Schwesterprodukt des Rollers Stella, den LML in den USA anbietet.

Als Import aus Frankreich ist die Neco Italia erhältlich, die dem klassischen Vespa-Design ähnlich sieht. Die zwei angebotenen Modelle sind in China gefertigte Automatikroller. Bei Mod Vespa findet man Informationen zu einem weiteren indischen Hersteller namens Bajaj. Dieser hatte in den frühen 1970er-Jahren eine Lizenz zum Bau von Rollern im Vespa-Design, die heutigen Modelle sind jedoch optisch immer noch sehr an die Formen der klassischen Vespa-Roller angelehnt. Auch Russland hatte seine Vespa-Clones, die unter der Marke Vyatka vertrieben wurden.
Nicht jeder Vespa-Fahrer nutzt sein Gefährt für gemütliche Fahrten durch den Innenstadtverkehr, manch einer reitet sein Baby auch auf einer längeren Tour.
Und uns bleibt einfach nur die Erinnerung von damals wie schön und nostalgisch das ganze war.